Die Goldene Straße
 

Wandbild eines Weidener Wohnhauses 

 

Als unser Land noch zu Böhmen gehörte

Kurz vor der einstigen freien Reichsstadt Nürnberg, im kleinen Ort Erlenstegen, steht ein großer Sandsteinblock mit einer Kreuzigungsgruppe. Daneben in Bronze, ein bemerkenswertes Schild mit der Aufschrift: "Böhmische Grenze", darunter die Worte: "Zur Zeit Karl IV. lag hier an der Goldenen Straße nach Prag die Grenze von Neuböhmen". Zur Erinnerung an die Tatsache wurde im 15. Jahrhundert dieser Bildstock errichtet ( das Original steht im Germanischen Museum).
 

Die Goldene Straße ist unverrückbar mit dem Namen Karl IV. verbunden. 
Sie ist ein historisches Zeugnis aus einer Zeit, als die Menschen in unserer Gegend noch friedlich vereint und mit Karl IV. einem Mann huldigten, der aus heutiger Sicht europäische Denkweisen verkörperte und als einer der klügsten und weltkundigsten deutschen Fürsten zählte, den man auch im Ausland ernst nahm. 


Karl IV ( auf der 100-Kronen-Banknote)

Dass dem so war, kam nicht von ungefähr. Sein Vater Johann stammte aus der Luxemburger Linie, sein Großvater kein Geringerer als der deutsche Kaiser Heinrich VII, seine Mutter Elisabeth, Tochter des letzten Premysliden Königs Wenzels II und Enkelin Kaiser Rudolfs von Habsburg.  Auf Karl mit dem Taufnamen Wenzel, am 14. Mai 1316 in Prag geboren, setzte man große Hoffnungen. Sieben Jahre ver- brachte das Königskind aus Prag am Hofe seines Onkels Karl dem Schönen in Paris. Hier erhielt er die Grundlagen für sein späteres Regententum vermittelt. Künstler, Dichter und Politiker prägten ihn, beson- ders aber die Freundschaft zu dem Benediktinermönch Pierre Roger, dem späteren Papst Clemens VI. Verheiratet mit der französischen Prinzessin Blanca Valois, ließ er sich am 2. 9.1347 im Prager Dom zum König von Böhmen krönen. Dies war der Beginn einer machtvollen und klugen Regierungszeit, die für die Menschen auf dem Weg von Prag nach Nürnberg bedeutungsvoll werden sollte.

Karl einte Ost und West
Von Deutschland oder von Bayern zu sprechen, wäre aus historischer Sicht falsch. Denn den staatsrecht lichen Titel "Deutsches Reich" gibt es, wie der in Eger lebende Professor Dr. Frank Boldt jüngst bei einem Gespräch in Pilsen feststellte, "schließlich erst seit 1870". Und das alte Reich, das sich 911 bildete und 1806 auflöste, hat nie diesen Titel geführt, sondern bekanntlich später den eines römischen Reiches ange- nommen. Aus dieser Sicht war das Verhältnis der Menschen im Mittelalter lediglich durch Sprache und Volksart getrennt, Bindeglied war vor allem die römisch katholische Kirche. Der Zerfall des Kaisertums, die verworrenen Verhältnisse im Reich zu ordnen, das gelang Karl IV. Durch das Reichsgesetz der "Goldenen Bulle" von 1356, stärkte und verbriefte er die Vorrechte der Kurfürsten. Nach Karl gab es keine Einheit mehr.

Karte Neuböhmens    (Quelle: Das "Böhmische Salbüchlein" Kaiser Karls IV. , Oldenbourg Vlg. 1973)
 

Bavaria trans silvam Boemicalem (Bayern jenseits des Waldes)

Karl IV. dessen Wahlspruch "Sei friedlich, und wenn du etwas in Güte erreichen willst, dann laß den Krieg"  einte die Menschen. Böhmische Pfleger auf den Burgen von Sulzbach, Parkstein oder Störnstein wurden nicht als Unterdrücker betrachtet. Im Gegenteil, sie hatten die Anweisung, Brauchtum, Sitten und Sprache und kulturelle Eigenarten des jeweiligen Territoriums zu achten. Rücksichtnahme auf den Volks-
stamm war oberstes Gebot. Alle unrechtmäßigen Kriege und Händel waren bei Strafe verboten, ebenso Brandstiftung, Raub, Plünderungen und unrechtmäßige Zölle und Gebühren. Und der Kaiser stärkte die kleinen Orte entlang seiner Reichsstraße mit außergewöhnlichen Privilegien. "Bernovia servat corone fedem Boemie", lautete zum Dank dafür der Treueschwur des Genzstädtchens Bärnau an die Krone Böhmens. Zollfreiheit, Holz-, Münzrechte, Stärkung des Handels, der Wirtschaft ließen einen Vielvölker-
staat in Frieden gedeihen ohne den darinlebenden Menschen ihre Rechte zu beschneiden. Sulzbach wurde zur Hauptstadt Neuböhmens und 1355 im Jahre der Kaiserkrönung erhob er dessen Gericht zum kaiser- lichen Landgericht. Hervorragend gezeigt wird die Machterweiterung im Museum der Stadt. Karl demon- strierte politische Kunst, von der wir heute in Europa noch lernen könnten. Er förderte Kultur, Wissen-
schaft und stiftete 1348 die erste deutsche Universität in Prag. Das veraltete Gottesurteil wurde abgeschafft und ein neues Gesetzesbuch für Böhmen eingeführt, die Wirtschaft erfuhr eine bislang nie dagewesene För- derung. So gesehen kann der Kaiser, der am 29. November 1378 in Prag starb, Ausgangspunkt für ein neu zu entwickelndes Geschichtsbild zwischen Böhmen und Bayern sein.

Der Verlauf der Goldenen Straße
Seit 1989 beschäftigt sich der an der Altenstädter Grundschule tätige Rektor Rainer Christoph mit dieser Straße. Etwa 300 Kilometer führt sie vom unteren Pegnitztal über die Höhen der Fränkischen Schweiz, den Oberpfälzer Wald bis ins Moldautal. "Zur Wahl und Krönung des Kaisers sollten die Böhmenkönige in Zukunft auf dieser Straße ziehen", lautet die Anordnung des Kaisers, als er bestimmte, daß der bisherige Verbindungsweg zwischen Prag und Nürnberg nicht mehr über Pfraumberg , Waidhaus nach Hirschau, sondern über Tachau, Bärnau, Schönkirch, Wildenau, Püchersreuth, Neustadt, Altenstadt, Wei- den, Kohlberg, Hirschau, Hahnbach, Gebenbach, Sulzbach, Weigendorf, Pommelsbrunn, Hersbruck, Reichenschwand, Lauf, Rückersdorf nach Nürnberg verlaufen solle. Als Grund spielte sicher ein territorialer Faktor eine Rolle, die Pfraumberger Straße führte durch das Gebiet der Leuchtenberger Grafen. Durch Kauf, erneute Heirat, Diplomatie erwarb er das Land "Neuböhmen". Karl reiste oft von Prag in sein geliebtes Nürnberg. Woher der Name "Goldene Straße" kommt, ist nicht zu klären. Hängt er mit der Goldenen Stadt Prag zusammen, oder mit den reichen Kaufmannszügen ? Auf tschechischer Seite war der Name bis 1990 kein Begriff, hier sprach man von "Kaiserstraße". Erstmals taucht der Name urkundlich erwähnt in einem Bericht des Bärnauer Pflegers Hans von Uttelhofen ( 1513) auf. "....Königliche stras, die von Brage auß gen solt, wie es than vor alter gegangen ist, darumb sy than angezeigten straß die gulden straß genannt ist,..." Auf der damaligen Straße, die direkt dem Kaiser unterstand, war Sicherheit angesagt. Für die einzelnen Strecken gab es Geleitschutz durch die jeweiligen Pfleger auf den Burgen. So befahl Karl IV. den Geleitschutz seinen Pflegern "... item auf dem kolperch (Kohlberg) sol dann ein pfleger von Parkstein daz geleytte nemen und sol es begleitten untz gen Altenstat. Item zu Altenstat sol ez dann nemen ein pfleger zu dem Stoerenstein..." In Altenstadt mit seiner romanischen Kirche wurde demnach der Geleitwechsel durchgeführt. Dieser Service war natürlich nicht umsonst. So kostete das Geleit von Kohlberg über Altenstadt bis an die Gebietsgrenze von Störnstein jährlich 114 Pfund Prager Pfennige und zusätzlich 50 Pfund Zoll.

Altstraßen im Mittelalter
Die uns bekannten Altstraßen des Mittelalters in Europa waren morastig, hatten ausgefahrene Gleisspuren und waren voller Schlaglöcher. Auf der Straße hinter dem Rastenhof (Gemeinde Störnstein) sind diese Fahrrillen heute noch zu entdecken. Die Wege führten über Höhen, diese trockneten früher ab. Die Breite der Straßen war genau festgelegt. Zwei Wagen mussten aneinander vorbeifahren können, es gibt Maßangaben zwischen 24 und 16 Fuß (etwa 5 Meter). Die Kaufmannszüge beförderten Salz, Getreide, Stoffe wie Barchant, Heringe, Honig, Leitmeritzer Bier, Vieh, Wachs, Öl, Seife, Leder, Wein aber auch Kupfer, Blei und Zinnwaren.
Der exakte Straßenverlauf in Tschechien ist in keiner Literaturangabe zu finden. Über Schreiben an die einzelnen Städte und das Abfahren des Weges gelang es in etwa acht Jahren folgenden Straßenverlauf auf tschechischer Seite festzulegen: Bärnau (Grenzübergang) - Paulusbrunn - Obora - Brandner Hegerhaus  (Milire)- Mauthdorf ( Myto) - Neumühle ( Novi Mlyn)- Tachau (Tachov) - Mies (Stribro)- Kladrau (Kladruby)- Hermanova Hut (Hermannshof) - Nürschan (Nyrany)- Alt-Pilsen Stary Pilznec (Burg Radyne) - Rokycany - Holoubkov -Myto - Cerhovice - Zebrak -Horovice - Zdice -Pocaply- Kraluv Dvur (Königshof) - Lodenice - Rudna - Chrastany - Trebonice - Stodulky - Praha (Prag).

Menschen auf der Straße
Neben dem Böhmenkönig und Deutschen Kaiser Karl IV. reisten auf der Goldenen Straße viele berühmte Persönlichkeiten. Angefangen von König Heinrich II. (Gründer des Bistums Bamberg, 1003 ) über  Johannes Hus ( 1415 ), Kaiser Karl V. ( 1541 ), Kaiser Ferdinand I.( 1545 ), Kaiser Maximillian II
(7. Juni 1570 ), Erzherzog Max II. ( 23. 11. 1593 ), Erzherzog Ernst von Österreich ( Dezember 1593 ) der Böhmenkönig Matthias ( 3. Mai 1612 zog mit einem Gefolge von 1500 Personen von Prag nach Frankfurt zur Krönung als deutscher Kaiser), Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz ( 1619 ), Gustav Adolf von Schweden ( 1632 ), Erzherzog Leopold von Österreich (1658), Kaiser Joseph I. ( 1704 ) und als letzter Kaiser Karl VI. (17. Januar 1712). Genutzt wurde die Straße auch von den Kaufmannszügen der Hanse bis hin zur Postbeförderung der Fürsten von Thurn und Taxis. (So gab es nachweislich eine Post- station in Cerhovice, etwa 40 Kilometer vor Prag.). Auch Leid brachte die Straße immer dann, wenn Soldaten auf ihr schritten, angefangen vom 30 jährigen Krieg bis hin zum 2. Weltkrieg.

Text: Rainer Christoph, Haydnstraße 4, 92665 Altenstadt - Nachdruck auch nur auszugsweise nur mit Genehmigung des Autors -

Überblick über den Verlauf der "Goldenen Straße" anhand einer aktuellen Karte

 

 

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