Geschichte der Altenstädter Glasindustrie
 

Es war und ist auch heute noch ein ungeschriebenes Gesetz, Betriebe dort zu errichten, wo Rohstoffe in genügender Menge vorhanden und möglichst billig sind.

 

Es wird angenommen, das bereits Mitte des 14. Jahrhunderts im Bayerischen- und Böhmischen Wald Glashütten existierten. Die erste urkundliche Erwähnung geht zurück auf den Beginn des 15. Jahrhunderts.

 

Umbruch:

Durch den Bau der Eisenbahnlinie München - Berlin in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts und den Bau der Eisenbahnlinie Weiden – Neustadt - Eslarn im Jahre 1884 entstand eine völlig neue Situation. Hervorgerufen durch den Kahlschlag ( Holz ) und den idealen Anbindungen der Eisenbahnlinien an die großen Weltmärkte siedelten viele Glashütten in Neustadt an. Zur Herstellung von Glas benötigt man Quarzsand, Pottasche ( wurde ab 1809 durch Soda und Glaubersalz ersetzt) Kalk. Anders als in Neustadt, wo die Glashütten sich aus den Bayerischen Wald ansässig machten, wurden in Altenstadt zwei Glashütten von hiesigen Unternehmern gegründet.

 

Die Firma Karl Hofbauer:

 

Karl Hofbauer hatte bereits 1921 in der Scharlmühle bei Parkstein und in den Jahren 1922/23 in der Brauhausstrasse in Neustadt Glas geschliffen. 1925 begann Er mit der Arbeit in Altenstadt, wo er mit 8 Schleifstellen und ebenso vielen Arbeitern begann. 1927 wurde ein kleiner Ofen mit 4 Häfen in Betrieb genommen. Im Jahre 1930 wurde mit dem Bau eines zweiten Ofens begonnen, der 1931 in Betrieb genommen werden konnte. 1932 kaufte Karl Hofbauer die stillgelegte Klarahütte in Windischeschenbach und baute sie um. Bereits 1935 konnten die ersten Schleifstellen ihrer Verwendung übergeben werden. Im 2. Weltkrieg von 1939 bis 1945 wurde die Hofbauerhütte zur Herstellung kriegswichtiger Waren, Weckgläsern aus bleiarmen Glas, herangezogen. 1936 hatte die Firma Hofbauer bereits 270 Beschäftigte. Als 1944 Karl Hofbauer sen. verstarb, übernahm sein ältester Sohn Karl die Führung des Altenstädter Betriebes,

der zweitälteste Sohn Hermann leitete den Betrieb in Windischeschenbach, der in Kristallglasfabrik Annahütte umbenannt wurde.

  

 

Das Hauptwerk in Altenstadt nahm nach Kriegsende wieder die Bleikristallproduktion auf. Am 14.01.1946 wurde der Schleifbetrieb in Windischeschenbach wieder aufgenommen. Ab 9. Juli 1951 wurde in Windischeschenbach wieder Glas produziert. 1955 erfolgte die Trennung der beiden Fabriken. Karl Hofbauer war alleiniger Besitzer in Altenstadt und Hermann Hofbauer wurde Besitzer des Werkes in Windischeschenbach. Der Altenstädter Besitzer Karl Hofbauer erwarb 1955 den Hütten- und Veredelungsbetrieb der Grenzlandindustrie GmbH in Amberg, der 1960

an die Rosenthalwerke verpachtet und 1963 verkauft wurde. 1964 erfolgte in der Altenstädter Firma die Umstellung auf Ferngas und der Bau einer Bleiglaswanne. Ab 1965 wurde mit einer vollautomatischen Schleifmaschine produziert.

Im Jahre 1968 wird die Firma Lippert & Co mitverwaltet und 1969 in die Hauptfirma integriert.

Im Jahre 1970 zählte der Betrieb ca. 700 Beschäftigte, 700 Arbeitnehmer, die ihren Lebensunterhalt bei der Firma Hofbauer verdienten. Karl Hofbauer kann man durchaus als Vorreiter bei der maschinellen Glaserzeugung und -veredlung anerkennen.

Am 28.11.1975 erfolgte die Eröffnung des Bleikristallcenter Elisabethhütte in der Hauptstrasse, benannt nach der Tochter Elisabeth. 

Am 03.12.1978 verstarb der Firmenchef Karl Hofbauer

In den schwierigen 70er und 80er Jahren verringerte sich zunehmend die Zahl der Mitarbeiter. Die deutsche Wiedervereinigung und vor allen die Öffnung der Grenzen zu den Ländern Osteuropas brachten zusätzliche Probleme. Im Mai 1990 fusionierte Hofbauer Altenstadt und die Annahütte

in Windischeschenbach, doch nach wenigen Monaten zerbrach die Glasehe

wieder.

Die Katastrophe wurde am Freitag, den 26. Juni 1992 Wirklichkeit. Die

Firma Hofbauer stellte Vergleichsantrag und rund 300 noch verbliebene

Beschäftigte bangten um ihren Arbeitsplatz.

Noch einmal keimte Hoffnung auf, als die Münchner FWU-Gruppe am 22. Ju1i

1992 den Betrieb übernahm. Doch die Schwierigkeiten waren zu groß und

die FWU stieg wieder aus. Geschäftsführer Kurt Dotzler und Bauunternehmer Siegfried Axtmann führten den Betrieb weiter. Aber die Firma kam auf Dauer nicht mehr auf die Füße.

Im Juni 1995 stellte die Allgemeine Ortskrankenkasse für die Firma Hofbauer Konkursantrag, trotz Übernahmeverhandlungen mit potentiellen Investoren war des Unternehmen nicht mehr zu retten und schloss Ende Juli 1995 seine Pforten.

Wo über viele Jahre Familienväter ihren Unterhalt verdienten, blieb als unschöner Rest eine Bauruine.


 

Die Firma Beyer und Co.

Als letzter Bleikristallbetrieb in unserem Raum entstand die Firma Beyer

und Co.

Gründer waren die Brüder Johann Baptist, Ernst, Hans und Karl Kraus sowie

der Landwirt und Viehhändler Franz Beyer mit Ehefrau Rosalie aus Parkstein.

Beyer gab dem am 13. November1923 ins Leben gerufenen Betrieb seinen Na-

men, während die Brüder Johann,  Baptist und Ernst Kraus als Leiter des Betriebes fungierten. 

Man begann mit 8 Schleifwerkstätten und 25 Beschäftigten.

Als sich die Weltwirtschaftskrise auch auf die Fa. Beyer und Co. auszuwirken begann, schied Beyer kurzentschlossen aus. Alleininhaber des Werkes waren nun die Gebrüder Kraus.

          

Baptist Kraus                                                            Ernst Kraus

 

1930 erfolgte eine Erweiterung auf 10 Schleifstellen. Wegen eigener Rohglaserzeugung wurde 1930 die ehemalige Spiegelglashütte in Ullersricht

angekauft.

1936 fanden bereit ca.  250 Beschäftigte ihre Arbeit bei der Fa. Beyer.

Der Betrieb erlebte in den nächsten Jahren einen kollosalen wirtschaftlichen Aufschwung. 1939 wurde das Werk Faislbach bei Georgenberg als

reines Veredlungswerk angekauft.

In der ersten Kriegsjahren erfolgte im Auftrag der Staatsregierung die

Herstellung von Haushaltsschalen ( kriegswichtiger Waren ), ab 1943 wurde die Firma als kriegsunwichtig geschlossen. In den letzten beiden

Kriegsjahren wurden in den Betriebshallen der Firma Beyer & Co., wie in

fast allen Großbetrieben in unseren Raum, Flugzeugteile der Messerschmittwerke montiert.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Werke in Altenstadt und Ullersricht wie-

der in Betrieb genommen

Im Jahre 1951 verstarb der Firmenmitbegründer Johann Baptist Kraus und

1955 verschied ein weiterer Mitbegründer, nämlich Herr Ernst Kraus.

In Altenstadt wird eine Produktionsanlage gebaut, die Hütte wird 1955

in Betrieb genommen. Durch Errichtung einer weiteren Schleiferei und

einer modernen Säurepolieranlage wurde die Produktionskapazität enorm

erweitert.

 

Im Zuge der Konzentration wurde 1962 die Rohglaserzeugung in Ullersricht

eingestellt. Bis zur entgültigen Schließung im Jahre 1968 war Ullersricht

nur noch Veredlungswerk.

Im Jahre 1970 gab es bei der Firma Beyer & Co. insgesamt ca. 600 Beschäftigte, davon 530 in Altenstadt und 70 in Faislbach bei Georgenberg.

Die Firma Beyer hatte ein gutes Sortiment und wurde in den 50er und

60er Jahren durch künstlerisch und qualitativ hochstehende Bleikristallerzeugnisse bekannt und ausgezeichnet.

Genau wie bei der Firma Hofbauer, so schrumpften auch bei Beyer & Co. in

der letzten Hälfte der 70er und den 80er Jahren die Mitarbeiterzahlen.

Einen schweren Schlag erhielt das Unternehmen, als am 20. Juli 1981 der

Direktor Oskar Kraus verstarb.

Die Firma Beyer & Co. meldete im Dezember 1992 Konkurs an und war trotz

großer Bemühungen nicht mehr zu retten. Ende September 1993 wurde die Wanne stillgelegt. Wenn in einer Glashütte die Feuer nicht mehr brennen,

ist die Hütte tot.

Auch auf den Gelände  der Firma Beyer & Co. erinnern nur noch Ruinen an

eine glanzvolle Zeit, von der auch die Bürger und die politische Gemeinde

profitiert haben.

 

Beschäftigte in der Altenstädter Glasindustrie

nach Angaben von Herrn Schmidberger, Neustadt

Beyer & Co.                                                                                      Hofbauer

Jahr

Beschäftigte

 

Jahr

Beschäftigte

1923

25

 

1925

8

1936

250

 

1936

270

1970

700

 

1970

700

1992

270

 

1992

300

1993  Sept.

128

 

1995.

220